GEE, ohne mich

Soeben ist die neueste Ausgabe der Spielezeitschrift GEE mit dem Schwerpunkt „Die Zukunft der Spiele“ am Kiosk erhältlich. Bisher war mir die Zeitschrift völlig unbekannt, was kein Wunder ist, da ich seit seligen Powerplay-Zeiten ein eher akademisches Interesse für Game-Mags hege. Bemerkenswert ist die Ausgabe, da sich darin eine handvoll – eine gute handvoll – SF-Autoren der jungen Generation über eben jene verbreiten dürfen. Das finde ich großartig! Und nicht nur ich.

Obwohl es mich natürlich wurmt, dass mich niemand gefragt hat, ob ich vielleicht auch was dazu zu sagen hätte … Nun ja. Immerhin gibt es dazu noch ein Interview mit Michael Iwoleit (der dafür allerdings keine Geschichte beigesteuert hat), worin dieser sich verwundert äußert, dass so wenige Autoren über Augmented Reality schreiben. Ganz bescheiden darf ich anfügen, dass ich schon mit „Imago“ eine komplett-immersive AR-Geschichte abgeliefert habe. So dermaßen immersiv, dass manche Leser die AR-Elemente für „ganzkörper Hologramme“ gehalten haben. Da sage noch einer, Raumschiff Enterprise würde einen nicht verdummen, können sich die Leser doch hinterher gar nicht mehr von den induzierten Bildern, hier dieser Holodeck-Quatsch, lösen. Damn you, Star Trek!

Mal abgesehen von mir selbst, wundert es mich – jetzt völlig ernsthaft – warum Tobias O. Meißner (der ja schon bei MTV über Spiele befragt wurde und ein Sachbuch zum Thema verfasst hat) und Michael Marrak (der ja immerhin an einem Game mitgeschrieben hat) fehlen … Recherchelücke?

Egal, ich will nicht rumweinen, habe ich doch genug Zeug in der Veröfentlichungspipeline. Besser zur Bahnhofsbuchhandlung pilgern und die GEE kaufen, dann macht das vielleicht schule.

Über Marsreisen und Sub-Sub-Genres

… darf ich mich in der neuen Earth Rocks verbreiten. Chefredakteur und Vereinsgründer Florian Stummer war so nett mich als Ehrenmitglied von Earth Rocks zu interviewen. (Ich! Im Interview!) Bei der Gelegenheit durfte ich also über die Funktion des Genres (und deren Sub- und Subsubgenres) philosophieren. Ich bin da ja durchaus zwiegespalten: Einerseits bekenne ich mich zur Science-Fiction, ist sie mir doch die liebste Spielart der Literatur. Andererseits sind es meist gerade die Grenzgänger, die Irrläufer und Überläufer, die Nomaden im Genrewald, die besonders spannend sind. China Mieville fällt mir ein, oder in Deutschland Volker Groß.

Wie auch immer, wer sich für meine Ansichten zu Sinn und Widersinn von Minigenres wie Clockpunk interessiert, dem sei „ER 9“ ans Herz gelegt. Wer jeoch neugierig ist, wie der aktuelle Kurzgeschichtenwettbewerb zum Thema „Home, Sweet Home“ (mit mir als Gastjuror) ausgegangen ist, kommt an der Ausgabe sowieso nicht vorbei. Und wer ein paar außerordentlich ansprechende SF-Grafiken im Vierfarbdruck in der Heftmitte schätzt muss sich das Heft sowieso zulegen. Wer aber seine Phantastik lieber akustisch als Hörbuch präsentiert haben will, sollte einen Kauf auch erwägen: Als Bonus ist eine CD mit unter anderem „Krematorium“, dem aktuellen Output von Frank Hebben, gelesen von Free-Hörspiel-König Sven Matthias dabei.

Mir würden sicher noch mehr Gründe einfallen, aber ich will ja keine Werbung machen.

Hör mal! Kohlendioxid!

So oder so ähnlich könnte sich jemand äußern, der Molekularmusik hört. Aber, fragt ihr euch, bin ich denn noch zu retten? Seit Wochen ist die gleichnamige Anthologie aus der legendären SF-Serie des Wurdack-Verlags bereits lieferbar, ich habe das Werk sogar fast durchgelesen, und ich lasse euch nicht daran teilhaben?

Recht habt ihr. Fühlt euch also informiert: Meine Capco.de 08 Gewinnergeschichte „Klick, klick, Kaleidoskop“ ist im Band enthalten, außerdem Kilobytes weiterer grandioser Werke ambitionierter Autoren aller Art.

Lotus-Effekt

Lotus-EffektUnd noch eine neue Anthologie: Im Wurdack-Verlag geht die SF-Reihe mit „Lotus-Effekt“ in die elfte Runde. Enthalten sind diesmal Geschichten von Christian Günther (der auch die Titelgeschichte stellt), Thomas Hocke, Nadine Boos, Sebastian Rieger, Lutz Herrmann, Bernhard Schneider, Olaf Trint, Thomas Wawerka, Andrea Tillmanns, Thomas Templ, Christian Weis, Thomas Backus, Karla Schmidt, Uwe Post, Armin Rößler, Arno Endler, Karsten Kruschel und Heidrun Jänchen.

Von mir ist mein Dark-Space-Opera-Versuch „Die Ernte fällt heut‘ aus“ dabei. Es ist sozusagen meine älteste Geschichte bisher, denn obwohl ich sie erst letztes Jahr aufgeschrieben habe, basiert sie auf einer Idee, die ich meinem Sandkastenfreund Sören bereits 1983 auf dem Schulhof erzählt habe. Die Schlüsselszenen habe ich nicht verändert, nur ein wenig drumherumgestrickt. Sein Kommentar damals: „Das ist ja eine ganz alte Idee.“ Nun, ich hoffe, ich habe die alte Geschichte ins 21. Jahrhundert gerettet.

Der Himmelspfeifer

Ich bin ja versucht „Himmelspfeiffer“, mit Doppel-F, zu schreiben, aber nein, damit hat jene Geschichte nichts zu tun. „Der Himmelspfeifer“ ist der Titel einer demnächst erscheinenden Anthologie seltsamer Geschichten aus der näheren oder ferneren Zukunft. Herausgegeben wird das Buch von Alisha Bionda, die ja schon so manchen Erfolg auf dem Kerbholz hat. Folgerichtig hat sie so auch einen illustren Kreis versammelt: Frank Hebben, Dominik Irtenkauf, Mario Moritz, Margret Schwekendiek, Achim Stösser, Dirk Taeger, Fabian Vogt, Mikis Wesensbitter und Jörg Isenberg.

Na ja, und ich mit „Upload untot“, einer Mischung aus Slumkind-Roadmovie, Matrix-Realitätsverwirrung, Voodoogrusel und noch so ein paar Sachen. Das hat sich ergeben, weil ich dachte, man müsste mal eine Story wie das Sepultura-Video „Ratamahata“ schreiben.

Wunder und Straßenbelag

Eigentlich sollte man freie Abende ja zum Schreiben nutzen, aber irgendwie bin ich zur Zeit wohl in der Pose des schreibblockierten Poeten erstarrt. Durchaus passend zur Jahreszeit.

Das wärmt es meine Autorenseele doch, dass ich die Früchte meiner vergangenen Kreativität jetzt ernten darf: Letztes Wochenende gab es zwei Belegexemplare für mich.

Zunächst ist da „Das Mirakel“, Frank W. Haubolds jährliche Anthologie phantastischer Fiktionen. Wie schon letztes Jahr, verspricht dieser (dicke) Band ein Highlight 2007 zu werden. Ich muss mich sputen, ihn noch rechtzeitig zu den kommenden Genrepreisen zumindest auszugsweise zu lesen. Ich selbst bin mit meinem Medizinthriller „Invasive Techniken“ vertreten. Man könnte auch „SF“ dazu sagen, aber psst, vielleicht lesen ja Verleger mit. Da muss man mit solchen schmutzigen Wörtern vorsichtig sein. Nennen wir die Geschichte also einen Nanotechnik-Medizin-EU-Zierfisch-Thriller.

Außerdem neu: „Asphaltspuren 8“, Regina Holz‘ und Jürgen Olejoks Untergrund-Literatur-Zine (und für die Lyrik ist auch noch jemand dabei; nicht böse sein: der Name ist mir gerade entfallen). Holz+Olejok, das klingt nach Cyberpunk, ist aber ganz ernstzunehmende, aktuelle Literatur, ohne Genrebindungen. Jürgen fragte mich, ob ich zum Thema „Zeit“ nicht etwas zu sagen hätte. Hatte ich, nämlich mein Geek-Bürohöllen-Popkultur-Beziehungsdrama „Hurd kommt nächstes Jahr“. Lest mal hinein!