Hört dem Universum zu!

Listen_to_the_universe_Cover_U1+U2_FINAL.inddFür mich völlig überraschend (ja, ich hatte das gar nicht mehr auf dem Schirm – werde wohl alt) ist gerade eine Hörbuchvertonung meines Herrmann-Hesse-im-Weltraum-Rip-Offs “Go mit Glasperlen” erschienen. Ich warte gespannt auf mein Belegexemplar, derweil hier schon mal die Pressemitteilung:

Seit über zwölf Jahren prämiert das Corona Magazine monatlich eine von einer wechselnden Jury ausgewählte Kurzgeschichte. Die Audiobuch-Reihe Listen to the Universe – Phantastische Gutenachtgeschichten enthält in jeder Ausgabe sechs ungekürzte Fassungen dieser Perlen.

Vol. 1 leihen die im Phantastik-Genre wohlbekannten Sprecher Mona & Kris Köhler und René Wagner ihre Stimme, und Jürgen Bleekmanns traumhafte Musik umrahmt das Gesamtwerk. Die ideale Unterhaltung vor dem Zubettgehen, in der entspannten Alltagsflucht oder auf einer kurzen Zug- oder Autofahrt!

Inhalt des Audiobuchs:

Sternenturm von Bernd Wichmann: Im ewigen Winter nach der Katastrophe: Die letzten Menschen suchen nach ihrer Zukunft.
Go mit Glasperlen von Niklas Peinecke: Auf der Raumstation im Orbit um Neptun: Die außerirdischen Artefakte geben ihr Geheimnis preis.
Tonspur von Regina Schleheck: Die Zeitreise der besonderen Art: Die Vergangenheit wird rekonstruiert.
Der Mann in der Mitte, der zum ersten Mal den Mann an der Seite sah von Christian Künne: Inmitten unzähliger paralleler Welten: Kay kämpft ums Überleben.
Entsorgung von Torsten Jägel: Das größte Ereignis der Weltgeschichte: Ein Wurmloch öffnet sich.
Erwins Reise von Uwe Sauerbrei: Hauptgewinn für Erwin: Doch das intergalaktische Transportsystem spielt nicht mit.

Listen to the Universe – Phantastische Gutenachtgeschichten, Vol. 1

Herausgeber: Armin Rößler, Sprecher: Mona & Kris Köhler und René Wagner

ISBN 978-3-941864-01-6

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Vergnügliche Aschen

Carsten Kuhr hat “Die Seelen der blauen Aschen” gelesen und so verstanden, wie ich den Roman gemeint habe: “Geschickt mischt er dabei, […] Geheimnisse mit Action […] Herausgekommen ist dabei ein sehr vergnüglich und kurzweilig zu lesender Roman, der für den Leser jede Menge unerwarteter Wendungen bereithält.”
Da bin ich einigermaßen froh. Hatte schon an meinen Superkräften Fähigkeiten als Autor gezweifelt.
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Geliebte und gehasste Aschen

Mittlerweile trudeln die ersten Kritiken zu “Die Seelen der blauen Aschen” ein. Und wie soll es anders sein: Manche mögen das Buch (ein wenig), andere nicht so sehr. Am meisten trifft mich ja der implizite Vorwurf, ich würde mich über die Serie und meine Kollegen irgendwie lustig machen – das ist natürlich nicht meine Absicht. Das Buch soll ja nicht einmal besonders witzig sein. Als ich meine Frau darauf ansprach, meinte sie, es wäre doch eigentlich eher ziemlich düster, mehr noch als “Das Haus der blauen Aschen”.

Aber ich schreibe ja keine Dokumentationen oder Sachbücher, da ist es ja quasi inbegriffen, missverstanden zu werden. Derweil nimmt Band 10, der dritte und finale Teil der Trilogie der blauen Aschen Gestalt an. Und er wird monströs, in mehr als einer Hinsicht, so viel ist mir schon klar.

Mit einem Jahr Verzug gibt es nun auch eine Rezension zum Vorgänger von SF-Kritikerpapa Alfred Kruse. Er fand’s wohl ganz okay!

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Die Seelen der blauen Aschen

Die Bücher der blauen Aschen

Die Bücher der blauen Aschen

Es ist noch einen Tag bis zum offiziellen Erscheinungstermin, aber ich freue mich trotzdem schon einmal über meinen neuen Roman “Die Seelen der blauen Aschen”. Das Buch ist seit geraumer Zeit beim Wurdack-Verlag und bei Amazon vorbestellbar und wird seit letzter Woche schon an die Vorbesteller ausgeliefert. Ich selbst habe zwei Exemplare signiert, die jetzt bereits auf dem Weg an die Sammler sein sollten.

Es ist der zweite Teil meiner Trilogie der blauen Aschen, der 2014 mit “Das Haus der blauen Aschen” begann und 2016 mit “Die Sonne der Seelen” beendet wird.

Worum geht es? Wir erinnern uns, dass Farne im Vorgängerband “Das Haus der blauen Aschen” auf ERC 238 zurückgelassen wurde. Karman war bei ihr, aber nicht so ganz bei sich. Immerhin Hanner konnte ihr ein Jahr lang Gesellschaft bei ihrer persönlichen Robinsonade leisten. Derweil planen Parka und ihr neues Team eine Rückkehr zum Artefakt, um ein wenig Technologie für ihre eigenen Pläne einzusammeln und dabei gleich Farne zu rekrutieren. Es sieht nicht gut aus für meine Lieblingsastrophysikerin. Zum Glück gibt es noch ein paar Verbündete: Zunächst mal einen mysteriösen Typen, der auf Athena in einem Sanatorium auftaucht, und dann ist da noch Hackbot, der in einer Sonde Parka verfolgt hatte und (siehe “Der Schwarm der Trilobiten”) ein paar Abenteuer in einem ponyverseuchten Hinterwäldlersystem hinter sich hat. All diese Leute treffen sich nun auf der Sphäre wieder. Man kann sich denken, dass das nicht ohne Konflikte abläuft.

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Krötenmutanten versus der Weihnachtsmann

“Sie mögen uns nicht, nicht wirklich”, sagt Mikas Schwester, und meint damit ihre Eltern. Dieser Ausspruch gibt die Richtung vor, die Jasper Nicolaisens Debütroman “Winteraustreiben” nimmt.

Nicolaisen hat bisher eine Handvoll Kurzgeschichten veröffentlicht, von denen ich lediglich die ziemlich beeindruckende “Der vorletzte Mensch auf Proteia” kenne. (Die bloße Tatsache, dass ich den Titel ohne Nachdenken einfach so eintippen kann, bedeutet schon einiges – es gibt etliche tolle Kurzgeschichten, bei denen ich Namen und Autor googeln müsste.) Die Geschichte bestach in erster Linie durch, sagen wir mal, literarische Erzähltechnik. Ansonsten ist Nicolaisen Übersetzer und überträgt – ähnlich wie und zuweilen zusammen mit – Kollege Jakob Schmidt diverse Phantastik aus dem Englischen. Das beginnt bei seltsamer Pseudo-Buffy-Fanfiction und endet noch lange nicht bei preisdekorierten Sammlungen im Golkanda-Verlag.

Diese Mika in “Winteraustreiben” ist ein eher typischer Teenager aus einer durchschnittlichen deutschen Familie, die Eltern nicht richtig reich, aber bei weitem nicht verarmt, beide gebildet, der Vater Diplompsychologe mit allem was dazugehört, inklusive hipper Karriere in der Unternehmensoptimierung (oder wie auch immer man das nennt, wenn man als Psychologe in der echten Wirtschaft arbeitet). Die genannte Schwester ist schon rechtzeitig nach Berlin verschwunden und hat sich damit in ein bloßes Icon auf Mikas Smartphone verwandelt, das ab und zu noch mal coole, aber wenig hilfreiche Kurznachrichten absondert. Die Idylle ist zerstört, denn die Eltern fühlen sich gefangen, durch die Töchter um ihre Träume betrogen. Die Kinder dagegen spüren, dass die von den Eltern zelebrierte Gemütlichkeit nur Fassade ist. Da bietet sich ein unerwarteter Ausweg: Der Weihnachtsmann(!) bietet sich an, die verbliebene, unbequeme Tochter mitzunehmen, natürlich nach umfassender Bespitzelung durch einen reptiloiden Weihnachtkobold, um abzusichern, dass Mika es auch verdient hat, zum Nordpol verschleppt zu werden, um dort in einem subtropischen Arbeitslager sinnloses Spielzeug herzustellen.
Moment.
Weihnachtsmann? Krokodilkobolde?
Damit nicht genug. Es treten in weiteren Rollen auf: fleischfressende Rentiere, homosexuelle Faune, humanoide Erdkröten, ein sprechender Komet, ein brennendes Kind, ein zweitausendjähriges Kind. Und damit sind wir beim Kernproblem des Buches. Dieses absurde Figurenensemble erwartet man vielleicht in einem leicht kitschigen Kinderbuch. Man verzeiht es einem Walter Moers. Aber Nicolaisens Roman will etwas anderes sein, weder Weihnachtsmärchen, noch komische Groteske. Stattdessen gibt es einen waschechten Entwicklungsroman, dessen psychologischen Momente, besonders am Anfang vil zu bitter sind, um als Lektüre für unter 16-Jährige durchzugehen. Diese Eltern mögen ihre Kinder wirklich nicht, und das ist ein Moment, der für “echte” Kinder und Eltern schwer zu ertragen ist. In der Folge gibt es dann Nachhilfeunterricht über modernen Kapitalismus. Mika kämpft sich quasi von den tayloristisch-fordistischen Wurzeln bis ins moderne mittlere Management, entlarvt den Weihnachtsmann als das, was er wirklich ist (wir erinnern uns: Der Typ in Rot ist eine Erfindung eines US-Brausekonzerns), kommt schließlich in einer Art Hippiekommune an, bei der zwar nicht alles eitel Sonnenschein ist, die Mika aber immerhin von ihrer gesellschaftlich oktruierten Homophobie kurieren kann.
Das ist schon ein schweres Brett, was der Autor uns hier zumutet: Einerseits das popkulturelle Figurenarsenal von C.S. Lewis über Henry Ryder Haggard bis H.P. Lovecraft, quer durch den Gemüsegarten der Phantastik, andererseits eine wirklich feine, hyperrealistische Charakterzeichnung, wie sie einem modernen Jugendbuch gut zu Gesicht steht.

Warum, warum, frage ich mich, ist dieses Buch kein Bestseller? Warum hat es nicht 1337 begeisterte Bewertungen auf Amazon und steht auf Platz 3 der Spiegel-Bestsellerliste? (Platz 3, weil dort die wichtigen Bücher stehen, die Plätze 1 und 2 werden normalerweise vom aktuellen Vampir-Folter-Schweden-Hype und seinem Klon belegt.) Warum gibt es das Buch nur im Selbstverlag des Autors, zudem nur als E-Book, igitt?
Der Grund ist wohl, dass hier ein wirklich gutes Buch ohne jegliche Zielgruppe vorliegt. Es sieht aus wie ein Kinderbuch, riecht und schmeckt wie ein Jugendbuch, aber wenn man Nachts schweißgebadet mit vollem Bauch vom Weihnachtsbraten aufwacht, dann hockt dort der spitzahnige Kobold und erklärt einem Marx. Das ist schade für die zehntausend potentiellen Leser, die daher diesen Roman nie lesen werden. Ich bin aber froh, dieses unbestreitbare Glanzlicht deutschsprachiger Phantastik gelesen zu haben und kann es jedem nur empfehlen.

Jasper Nicolaisen: Winteraustreiben, Amazon

Die Lesung im Otherland

Eine Premiere gab es für mich am vergangenen Freitag: Meine erste Lesung mit mir als Star. Bisher hatte ich immer zusammen mit mehreren Autorenkollegen aus meinen Kurzgeschichten vorgetragen. Nun sollte das anders sein. Anlässlich des Erscheinens meines ersten Romans, durfte ich im Berliner Otherland vortragen. Vorbereitet worden war das Ganze schon durch Ankündigungen auf der Webseite und in diversen Foren, vor allem aber durch die Auslese des Monats, eine schöne Auswahl von Büchern, die das Team regelmäßig auf die Webseite stellt.

Als weitere Premiere kam diesmal meine Frau mit – sie hatte mich noch nie vor Publikum lesen gehört. Netterweise holte uns Jakob Schmidt, der mich auch eingeladen hatte, am Bahnhof ab. Das hatten wir klug geplant, denn wenn man aus einer großen Stadt in eine riesengroße Stadt fährt, ist es ratsam, ortskundige Anleitung zu haben. Meine Idee, dass er uns an einem roten Koffer erkennen könne (was ich lustig fand, weil rote Koffer ja auch im Roman vorkommen) scheiterte aber daran, dass wir dann doch den blauen Rucksack dabeihatten. Internetfotos eignen sich auch nur bedingt zur Identifizierung. Egal, wir haben uns dann doch gefunden.

Nach einer schnellen Pizza zwei Straßen weiter trafen wir schließlich im Otherland ein. Einige Zuhörer hatten sich schon versammelt, ein paar kamen dann noch dazu, und um zwanzig nach 8 legte ich los; zunächst nervös, wie meine Frau meinte, dann zunehmend sicherer, weil das Publikum so nett und still lauschte. Zehn Besucher waren es nach meiner Zählung, andere Schätzungen sprechen von zwölf – bei solchen Menschenmassen werden die Angaben schon mal unzuverlässig. Nach guten 45 Minuten Vorlesen hatten wir in der Pause Gelegenheit, das beeindruckende Sortiment des Otherland zu bewundern. Ein kleiner Teil der ausgestellten Bücher befindet sich schon in meinen Bücherregalen, den Rest hätte ich am liebsten gleich mitgenommen. Auch lernten wir Ladenmitinhaber Wolf kennen (der meiner Frau Rob Zombies ersten Roman ans Herz und in die Hände legte), seinen hinreißenden Hund und Kollegin Karla Schmidt kennen, mit der sogleich konspirative Verhandlungen geführt wurden. Danach gab es noch ein wenig Fragestunde zu Absicht und Konstruktion des D9E-Universums, echten und vermeintlichen Widersprüchen, Vorbildern und Nachwirkungen, und der SF und dem Leben so ganz allgemein. Da ich gerade Jo Waltons “In einer anderen Welt” gelesen habe, stellte sich bei mir dieses ganz spezielle Fandom-Gefühl ein, das sicher nur kennt, der schon einmal nach langen Jahren in einer Gruppe von Leuten mit ähnlichen Interessen ankommt, dieses Gefühl, dass das Universum diesen Moment gerade für dich und speziell für dich erschaffen hat.

Aber auch so ein Abend muss enden, so strapazierten wir Jakobs Gastfreundschaft noch mit einer späten Fassbrause um die Ecke, quartierten uns für die Nacht auf seinem Gästebett ein und fraßen ihm morgens etliche Brötchen weg. Das Wochende perfekt zu nennen wäre noch untertrieben. Ich hatte eine Menge Spaß und hoffe, die Sause anlässlich meines nächsten D9E-Bandes nächstes Jahr wiederholen zu können.

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Die Lesung der blauen Aschen

Am 14. Februar ist es so weit: Nach über einem Jahr muss mich das geschätzte Publikum erneut live ertragen – diesmal erstmals mit einer Lesung aus meinem Roman “Das Haus der blauen Aschen”.

Das Ganze findet in der Otherland-Buchhandlung in Berlin statt, jenem legendären letzten Hort des phantastischen Buchs, der noch nicht von Vampiren und geprügelten Landmädchen überrannt worden ist. Ich meine, da gibt es noch ganz normale Fantasy und SF zu bestaunen, ohne Glitzervampire. Wer also in der Nähe ist, kann gern vorbeikommen. Los geht es um 20 Uhr. Und ich bin sooo aufgeregt!

Notiz an mich selbst: Füller zum Büchersignieren mitbringen!

Außerdem war Petra Hartmann so nett, ihre Gedanken zu dem Buch in ihrem Blog zu posten.

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