Nominiert

Ich bin nominiert. Nicht den Container oder das Camp zu verlassen, sondern für den Kurd-Laßwitz-Preis, einen der renommierten Preise für SF im deutschsprachigen Raum. Vertreten bin ich gleich zwei mal in der Kategorie „Kurzgeschichte“, einmal mit „Die bunten Splitter der Seele“ und einmal mit „Imago“.

Abstimmen können übrigens nur „professionelle SF-Schaffende“, was effektiv bedeutet, dass man mindestens 5 Kurzgeschichten oder 2 Romane oder eine ähnlich epochale Leistung zur SF beigesteuert haben muss; und zwar nicht in der heimischen Schublade, sondern „in echt“.

Schnittmenge 2

Soeben wurden die Preisträger des diesjährigen Kurd-Laßwitz-Preises bekannt. Von den Nominierten kannte ich ja noch einen größeren Prozentsatz, aber die Preisträger sagen mir größtenteils nichts. Daher kann ich hier auch keinen schlauen Kommentar zur Qualität bieten.

Okay, Herbert W. Franke ist mir natürlich ein Begriff, aber das ausgezeichnete Buch habe ich nicht gelesen. Immerhin, der Preis an Robert Charles Wilsons „Spin“ kommt mir verdient vor, auch für mich ist der Roman ein SF-Highlight 2006. Genauso freut es mich, dass Christian Pree für seine mühevolle Datensammlung gewürdigt wird.

Der Deutsche Phantastik-Preis

Inzwischen sind auch die Nominierungen zum Deutschen Phantastik-Preis, dem „Dritten im Bunde“ der bedeutenderen Auszeichnungen bekannt. Und siehe da: Die hervorragende Anthologie „Tabula rasa“ ist in der Sparte „Beste Anthologie/Kurzgeschichtensammlung“ nominiert. Ich sollte erwähnen, dass ich in dieser Sammlung dabei bin mit meiner Geschichte „20 Zeilen Code“, auch wenn das nun sicher nicht der Grund für die Nominierung sein dürfte.

Denkt daran: Der DPP ist ein Publikumspreis. Sobald also das Abstimmungsformular online ist – und das sollte bis Ende des Monats der Fall sein – unbedingt abstimmen. Wie immer gilt: Wer nicht wählt, wählt die falschen.

DSFP-Nominierungen

Nun sind auch die Nominierungen für den Deutschen Science-Fiction-Preis draußen, zu finden zum Beispiel bei Phantastik-News. Das ist mal eine lange Liste, so lang, dass ich gar nicht alle nominierten Geschichten und Romane kenne. Daher drücke ich mal ganz unrepräsentativ meine Daumen für Armin Rößler und Ralph Doege. Und allen anderen die ich kenne (ihr wisst, wer ihr seid), wünsche ich fröhliches Gedränge auf den zweiten und dritten Plätzen!

Verloren!

Na ja, besser gesagt: Ein undankbarer vierter Platz im diesjährigen CapCo.de. Nachdem ich letztes Jahr mit dem dritten Platz immerhin auf dem Siegertreppchen stand, darf ich mich diesmal also – wenn auch ganz vorn – unter das Fußvolk mischen. Allerdings: Müsste ich entscheiden, wer der drei vor mir platzierten – Andrea Tillamanns, Benedict Marko oder Christian Günther – gefälligst mit mir zu tauschen habe, ich könnte es nicht. Alle drei Geschichten sind einfach zu gut.

Also, nächstes Jahr macht Frank Hebben wohl auch wieder mit – na toll. Da brauch ich ja gar nicht erst antreten.

Hopp, zurück in die Schreibstube!

Retrobonus

Mein Hacker-Nostalgie-Postsingularitäts-Pubertätsdrama „Retrozone“ kommt ja beim CapCo.de ganz gut an. Das hatte ich nicht erwartet, aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben. Ich hatte schon erwähnt, dass mir die Idee recht lange im Kopf herumging, auch ein Anfang existierte, aber irgendwie stimmte das so noch nicht. Wie sich herausstellte, lag’s an der Perspektive; ursprünglich hatte ich die Geschichte aus Sicht der Mutter angelegt. Das ging nicht, wie Ihr in folgendem Schnipsel nachlesen könnt (quasi als Bonustrack, und als Dokumentation, was ich sonst so wegwerfe):

Retrozone, West-Berlin

Daniela träumt wieder, und es ist derselbe Traum wie immer: Erst sieht sie West-Berlin aus großer Höhe, dieses Meer aus winkligen Schatten und Beton. Sie entfernt sich schnell, emporgerissen von einer Beschleunigung, die ihre Eingeweide wie Gummibänder zieht. Schon kann sie kaum noch Details erkennen, Berlin wird zu einem undeutlich umgrenzten Fleck in der Einöde Brandenburgs, wie ein Melanom auf trockener Haut.
Kein Ziehen mehr: keine Eingeweide. Sehr angenehm.
Bald erreiche ich eine niedrige Umlaufbahn, denkt sie, dann kann ich die leere Welt von oben sehen.
Keine Schwere am Boden, nur schweben, gleiten, träumen, manchmal mit den anderen reden, den anderen, die da waren und doch so weit verstreut.
Träume vom Fliegen, Fallen oder Gleiten sind eine häufige Erscheinung in der Pubertät, ging es ihr durch den Kopf. Sie sind ein Symbol des Unterbewussten – oder so – für die erwachende Sexualität. Bloß, dass ich meine Pubertät schon dreißig Jahre hinter mir gelassen habe. Bei mir ist das kein Symbol, bei mir -
Das Stakkato-Piepen des Weckers zerschnitt ihren Traum, wie die Aluminium-Jalousie das Morgenlicht.
Dani, willkommen zurück in der Retrozone! Ein neuer Tag und anspruchsvolle Aufgaben erwarten dich, und nicht vergessen: Wir schreiben das Jahr 1983.
Aus den Augenwinkeln sieht sie sich am Schlafzimmerspiegel vorbeischlurfen, die ergraute Unterwäsche in der sie schlief ein Symbol ihres Liebeslebens.
Klar, Träume vom Fliegen.
Auf dem Weg ins Bad: Susannes Zimmertür steht offen, die Bettwäsche unberührt. Wieder einmal übernachtet ihre Tochter bei einer Freundin – hofft sie.
Sie duscht, hasst das Gefühl, wenn Wasser über ihr Gesicht läuft, verabscheut es, weil sie atmen muss. Manchmal hasst sie es, zu atmen, es ist einfach eine Last.
Das Handtuch fährt über ihren Bauch wie ein Scanner an der Supermarktkasse, registriert jede neue Falte, jeden neuen Fleck auf ihrer Haut. Noch ein Punkt, auf den sie gern verzichtet hätte: Altern. Was man nicht alles für die Kinder in Kauf nimmt!
Ihr Frühstück besteht aus Diät-Cola und einem hartgekochten Ei. Während sie sorgfältig isst, zurrt sie mit der linken Hand ein Kabel aus dem Tastentelefon auf der Anrichte und stöpselt es in die Buchse hinter ihrem Ohr. Die Küche wird halbtransparent und vom Bild eines Mannes mit Dreitagebart in einem fliederfarbenen Sacko überlagert: Max Beckert, ihr Vorgesetzter im Amt für retrospektive Ordnung.
»Guten Morgen, Dani«, beginnt er und grinst wie Don Johnson, dessen Frisur er imitiert. »Wir haben heute drei gemeldete Fälle. Der erste -«
»’N Morgen, Max. Mach mal langsam, ich bin noch nicht ganz wach.« Der metallische Geschmack der Diät-Cola erweckt ihre trockene Zunge zu neuem Leben. Die Buchse hinter ihrem Ohr knistert leise, Kriechströme beißen in ihre Nebenhöhlen.
Muss ich neu kalibrieren lassen, denkt sie.
Max ist aus dem Konzept gebracht, findet sein Grinsen aber schnell wieder. »Der erste Fall ist ein Discobetreiber in Hellersdorf. Hat wohl einen Hologrammprojektor irgendwo organisiert.«
Dani bemüht sich, ihr Frühstücksei durch Max’ Kopf zu erkennen. »Das ist wohl eher ein Fall für die Eingreiftruppe. Sollen ihm das Ding wegnehmen, normale Geldstrafe.«
Max nickt. »Habe ich auch gesagt. Der zweite Fall betrifft einen Tätowierer, der anscheinend Animatoos sticht. Hat eine Menge Kunden zu verzeichnen, das Finanzamt ist auf seine Riesenumsätze aufmerksam geworden. Das könnte ein Problem sein.«
»Gibt es eine Kundenliste?«
»Genau das müssen wir herausfinden. Ich brauche dir wohl nicht erzählen, was passiert, wenn plötzlich Massen von Leuten mit bunt animierten Logos auf dem Hintern herumlaufen? Es muss sich ja nur irgendein Arzt die Dinger genau ansehen, und schon haben wir eine Singularität …«
Dani winkt ab und kaut ihr Ei.
»Gut.« Max schielt in eine Ecke außerhalb des Erfassungbereichs der Kamera. »Letzter Punkt: Ein Hacker. Ist wohl in eine Datenbank der Bundespost eingestiegen und hat dabei einen doppelten Boden erwischt. Zack, saß er ein Stockwerk tiefer im Cyberspace. Mann! Ich kann mir vorstellen, wie dem Typ die Sicherungen aus der Mütze gesprungen sind! Jedenfalls hat er eingesammelt, was er finden konnte und ist dann wieder raus.«
»Wie hat er das gemacht? Ich meine, so schnell kann doch gar keiner tippen, ganz zu schweigen davon, dass er im Space gar nichts sieht, ohne passende Sichtgeräte.«
»Das ist der Punkt. Wir haben uns die Log-Dateien schon angesehen. Der Junge hat eine Buchse, und zwar eine Commodore Geoplug 16! Es wird deine Aufgabe sein, herauszufinden, wie er die bekommen hat.«

Capco.de startet

Ab heute startet der Capco.de, der „Cyberpunk Autorenpreis der Community“. Mit dabei auch meine Geschichte „Retrozone“ – und wenn Ihr mit abstimmen wollt, seid bitte gnädig: Die Last-Minute-Kürzungsmaßnahmen haben einige Opfer in der Grammatik gefordert …

Auch sonst gibt es einige lesenswerte Beiträge, zum Beispiel Christian Günthers Post-Apokalypse „Dreistern Blau“ oder Florian Stummers nostalgische Gralssuche „Raus aus Neu-Tunis“.

Deutscher Phantastik-Preis startet

Ab heute startet die Nominierungsrunde zum Deutschen Phantastik-Preis, einem der wichtigsten Preise für deutschsprachige phantastische Literatur, insbesondere natürlich SF.

Jeder Internetnutzer, der über eine E-Mail-Adresse verfügt, kann und darf seine Favoriten nominieren. Im Anschluss daran wird es eine zweite Abstimmungsrunde geben, in der sich wieder die User zwischen den Meistnominierten zu entscheiden haben.

Und ja: Ich habe absolut nichts dagegen, wenn jemand auf die abwegige Idee kommt, und eine meiner Geschichten nominiert – Anregungen dazu findet Ihr auf der Veröffentlichungsseite.

Nominiert!

Es ist nicht der Oscar und auch nicht der Deutsche Science-Fiction-Preis, aber immerhin bin ich in zwei Kategorien im Leserpoll des SF-Netzwerks nominiert: Einerseits als „Bester Autor 2006″ und dann noch für meine Geschichte „Ding und Tank-Mädchen“ (die noch nicht mal offiziell erschienen ist, da sich das Corona Magazine im Moment verzögert) in der Kategorie „Beste Kurzgeschichte“.

Wie es bisher aussieht, werde ich wohl nicht den letzten Platz belegen. Ein schöner Erfolg für einen Anfänger wie mich, einmal in einem Atemzug mit Robert Charles Wilson genannt zu werden.