Earth Rocks 10 auf dem Mond

Falls es den geschätzten Lesern dieser entlegenen Web-Ecke, die ja – haha – nach Internetzmaßstäben buchstäblich hinterm Mond liegt, bisher entgangen sein sollte: Wir feiern dieses Jahr 40 Jahre Mondlandung. 40 Jahre! Das bedeutet, es gibt inzwischen eine Menge Leute, der sich nicht daran erinnern, wie es war, als noch niemand den Mond betreten hatte. Mich zum Beispiel.

Diesen Umstand finden noch andere bemerkenswert, weshalb dieses Jahr an mehreren Ecken auf den Mond hingewiesen wird. Aus SF-Sicht interessant werden dürfte Duncan Jones’ Film „Moon„, sowie Frank Schätzings neuer Schmöker „Limit„. Es wundert mich fast ein wenig, dass nicht Andreas Eschbach das Buch zum Mondjahr liefert, aber der hat ja dafür das Buch zum Wahljahr. Und obwohl ich beide Bücher noch nicht kenne, wette ich mal, dass Schätzing wieder – wie beim „Schwarm“ – lupenreine SF abliefert, auch wenn der Buchhandel das Werk als „Wissenschaftsthriller“ (was für ein krankes Wort) schönredet.

Auch zum Mondjahr passend präsentiert sich Earth Rocks mit Ausgabe 10. Die enthält unter anderem einen Artikel von Uwe Post über die mögliche Rückkehr zum Mond, drei Kurzgeschichten zum Thema – nicht nur SF, denn der Mond bietet ja auch mythologisch eine Menge -, Interviews mit Uschi Zietsch und Christoph Hardebusch (der aktuell mit einem Werwolfbuch sehr mondkompatibel am Start ist, und meine dreisten Fragen souverän und aufschlussreich beantwortet hat), sowie die fast schon ER-typischen Mengen an weiteren interessanten Artikeln. Ach ja, ich berichte über meinen diesjährigen Besuch im Kennedy Space Center, das sich auch zu einem großen Teil den Apollo-Missionen widmet.

Florian Stummer und seine Crew haben wieder eine lohnende Ausgabe zusammengebaut. Vorbestellbar ist sie bei Earth Rocks.

http://www.hardebusch.net/journal/

XUN als Buch

Bernd Walters ausdauerndes Fanzine XUN wirft beständig Spin-Offs ab. Neuester Ableger ist eine Taschenbuchreihe: XUN TB.

In Ausgabe 01 findet sich unter anderem meine Zauberschüler-Parallele „Das letzte Duell“. Mehr Infos gibt es natürlich bei XUN online.

Es gibt noch Fanzines

Im Zeitalter von Print on Demand, dem Internetz und Podcasts hält sich kaum noch jemand mit der Herausgabe eines schnöden Fanzines auf Papier auf. Man kann ja auch gleich eine Anthologie bei einem PoD-Anbieter herausbringen, oder besser noch – weil völlig kostenneutral – das ganze übers Netz regeln.

Andererseits ist die gedruckte Form meiner Meinung nach die optimale für eine Geschichte. Hörbücher haben ihre Fans und ihre Vorzüge, aber ich finde, es gibt kaum etwas entspannenderes als selbst zu lesen. Tempo und Wiederholungen, alles kann ich selbst bestimmen.

Das Fanzine XUN ist eines der wenigen überlebenden. Entsprechend groß ist der Geschichtenpool, den die freie Redaktion XUN mittlerweile angesammelt hat. Daher war ich selbst einigermaßen überrascht, in Ausgabe 21 meine Fantasy-Harry-Potter-Abrechnung „Das letzte Duell“ vorzufinden – konnte ich mich zunächst doch gar nicht mehr erinnern, sie überhaupt eingeschickt zu haben. (Natürlich führe ich genau zu diesem Zweck eine Liste, in der alle Einsendungen vermerkt werden.) XUN ist ein wirklich traditionelles Fanzine. Hier wird das Logo noch mit Filzstift ausgemalt, auch wenn inzwischen am PC gelayoutet wird, statt mit Schere und Klebstoff.

Ebenfalls in dieser Ausgabe vertreten sind Frank Hebben mit einer lustigen Robotergeschichte (willkommene Ablenkung von seiner intensiven aber auch etwas ekligen Body-Horror-SF), solide Kost etwa von Christel Scheja oder Christiane Gref, und Sami Salame, junge SF-Hoffnung, hier aber mit seiner psychopathologischen Nahaufnahme „Ente und Onkel“. Sam pflegt einen ganz seltsamen Stil einer traumartigen, dennoch von innerer Logik bestimmten Erzählweise, die ich ziemlich lohnend finde.

Bei der Gelegenheit: Im SF-Netzwerk entzündet sich mal wieder eine Diskussion über den angeblichen Nicht-Unterhaltungswert von „literarisch anspruchsvoller Phantastik“. Gemeint ist hier eine Erzählweise, die sich von der herkömmlichen linearen, monoperspektivischen, dritte-person Arztroman-Erzählung unterscheidet, die in der Phantastik immer noch dominiert. Es ist nicht so, dass ich auch diese traditionellere Erzählweise nicht schätze. Jeder alternativen Form aber den Unterhaltungswert abzusprechen ist einfach nur dumm. Willkürliches Beispiel: Andreas Eschbachs in meinen Augen bestes Buch ist immer noch „Die Haarteppichknüpfer“, eben weil er hier von der „Normalform“ abgewichen ist und eine Collage von Kurzgeschichten gewählt hat. Aktuell wird Daniel Kehlmann für genau diesen Kunstgriff in „Ruhm“ über den grünen Klee gelobt. Soll er ruhig, aber Eschbach konnte das schon vor mehr als zehn Jahren, und erfunden hat er diese Romanform auch nicht.

Ich komm schon wieder vom hundersten ins tausendste. Zusammenfassend: Schaut euch XUN mal an, und wenn ihr mutig seid, lest GOLEM. Da gibt’s die richtig coolen Sachen zu lesen.

Ich fordere bessere Titel!

Bei SF-Fan ist zur Zeit – mal wieder – die seltsame Übersetzungspolitik deutscher Großverlage Thema. Besonders zu leiden haben wie immer Terry Pratchetts Werke. Wir erinnern uns: Da wurde aus dem Titel „Reaper Man“ schon mal „Alles Sense!“ oder „Wyred Sisters“ wurde zum sinnbefreiten „MacBest“. An mehr Beispiele kann ich mich zum Glück im Moment nicht erinnern, aber man konsultiere ein beliebiges Fantasy-Verkaufsregal für weitere Horrortitel.

Warum betrifft dieser Lektoratsschwachsinn aber meist die „niederen“ Genres? Warum müssen Krimi-, Fantasy-, Horror- und SF-Fans derart verunstaltete Titel hinnehmen? Gleiches Recht für alle! Wir benennen Klassiker der Literatur um:

„Der alte Mann und das Meer“ wird zu „Boat Trip – ein irrer Angelausflug“.

„Warten auf Godot“ verkauft sich bestimmt besser als „Zwei Männer und ein Baum“.

„Unterm Rad“? Lieber als „Teenager am Limit“! Und „Das Glasperlenspiel“ wäre als „Pearl Games“ sicher der Renner.

„Faust“ ist okay, könnte aber einen Untertitel gebrauchen: „Faust – krasse Höllenfahrt“.

„Emilia Galotti“ wird zu „Voll schwanger!“

„Romeo und Julia“: „Venecia Gangwars“

„Der Idiot“ liefe bestimmt besser als „Generation Idiot“.

Irgendwie grusel ich mich gerade vor den Neuerscheinungen der nächsten Jahre …

Blah! folded

… wie die Engländer so schön sagen würden. Gemeint ist damit, dass Andrea Bottlingers bisher äußerst ambitioniertes Blah!-Magazin leider aufgrund akuten Erfolgs und damit einhergehender Arbeitsbelastung eingestellt wird. Ich weiß, die „Neuigkeit“ ist schon vom Februar, aber ich wollte es mal erwähnt haben.

Schade eigentlich.

Wie ich höre, läuft der gleichnamige Podcast aber weiter.

Werde reich mit Kurzgeschichten!

Da verspricht die Überschrift sicher zu viel, denn zumindest in D-Land wird allein mit Kurzgeschichten keiner reich. Im Gegenteil: Unter den von mir unter Markt gelisteten Märkten sind nur zwei, die ein Honorar zahlen, nur einer, von dessen Honorar man leben könnte (wenn man pro Monat zwei Geschichten verkaufen würde, was natürlich angesichts der Konkurrenz unmöglich ist). Keiner der Online-Märkte zahlte bisher – bisher! Denn ab jetzt gibt es beim Blah!-Magazin nicht nur ein Lektorat, es wird auch ein Honorar gezahlt!

Oh ja, meine interessierten Leser, ein Honorar für eine Online-Publikation. Das ich das noch erleben darf. Okay, bisher ist es eher eine symbolische Zahlung. Aber, hey, das ist doch ein Anfang. Außerdem finde ich es toll, wie ambitioniert Blah! auftritt. Sollte ich je wieder eine Zeile schreiben, dann müsste ich endlich mal etwas einreichen.

Markt

Im englischsprachigen Raum gibt es für Autoren einige hervorragende Listen und Datenbanken, in denen der Veröffentlichungswillige nach Möglichkeiten suchen kann, seine Elaborate unterzubringen. Legendär ist Ralan.com, umfassend und praktisch dagegen Duotrope.

Mir schwebte vor einiger Zeit ein ähnliches Projekt für den deutschsprachigen Bereich vor. Allerdings scheiterte das aus Zeitmangel; klar, nutze ich meine Freizeit doch lieber, um zu Schreiben, als um das Geschriebene zu verwalten. Aber das ist auch halb so schlimm, denn der deutsche „Markt“ ist weder so groß, noch so dynamisch wie sein Anglospiegelbild. Daher nun, ganz in Ralans Tradition, eine schlichte Linkliste.

(Natürlich garantiere ich für überhaupt nichts, schon gar nicht für Aktualität oder die Verwendbarkeit zu irgendeinem Zweck. Ich stehe zu den verlinkten Seiten in keiner Beziehung, und wenn doch, dann würde ich es nicht verraten.)

Grundsätzlich gilt natürlich die alte Autorenweisheit, sich zunächst eine Ausgabe des angepeilten Magazins zu bestellen, um sich ein Bild von den gewünschten Geschichten zu machen. Es ergibt wenig Sinn, einem Magazin wie – sagen wir – Arcana, das eher klassische Phantastik im Stile Poes wählen würde, eine Cyberpunk-Story anzubieten, oder auch sich an die c’t mit einer epischen Sword&Sorcery zu wenden. Zur groben Orientierung habe ich die Kürzel [SF] für Science-Fiction, [F] für Fantasy, [H] für Horror und [Ph] für die restliche Phantastik, also alles von Weird Fiction über Slipstream bis zum magischen Realismus angefügt. Kursiv gesetzte Titel bezeichnen Online-Publikationen. Wie gesagt, im Zweifel eher mal eine Ausgabe anlesen!

Die Liste gibt es auf einer eigenen Seite.

Earth Rocks! 5

Heft Nummer 5 des ambitionierten Magazins „Earth Rocks!“ steht unter dem Motto „Fremde Klänge“ – und gemeint sind damit die Querverbindungen zwischen Klang, Musik und Phantastik.

Los geht es allerdings erstmal mit den (seit einigen Heften schon laufenden) Serienartikeln: Zunächst Austro Mars, die recht informative Reihe über die Aktivitäten des Österrecihischen Weltraumforums. Der aktuelle Beitrag, Nummer 3 von 6, gerät dabei etwas trocken als Faktenaufzählung. Dies ist vielleicht dem diesmal reduzierten Umfang geschuldet.

Als nächstes setzt Friedhelm Schneidewind seine faszinierende Serie über Mythen und Religionen in der Phantastik fort. Ich denke, allein dieser Artikel lohnt die Anschaffung des Heftes, sofern man sich für den Themenkomplex auch nur am Rande interessiert. Schneidewind ist ein ausgewiesener Experte, schreibt aber dabei recht unterhaltsam.

Im Interview wird diesmal Uwe Post interviewt, der einige Informationen über seinen (noch) aktuellen Roman „Zweiland“ herausrückt und nützliche Tipps gibt, wie man als Jungautor schnell von 0 auf 100 beschleunigt. Für Fans und Postkomplettisten unverzichtbar, aber auch sonst nicht uninteressant.

Das Heftthema beginnt mit den drei platzierten Geschichten aus dem Wettbewerb. Platz 1 belegt Lydia Gschosmann[ mit einer zwar recht eloquenten, aber dennoch etwas "kanonischen" Fantasygeschichte. Melodie der Heimat erzählt im Stil vergangener Jahrhunderte die Lebensgeschichte einer Quellnymphe – fließend zu lesen, aber auch etwas zu vertraut, um wirklich mitzureißen.
Auf Platz 2 folgt Bernhard Weißbecker mit einer für ihn recht typischen Thematik über den Menschen als Eindringling in fremden Kulturen und Ökosystemen. Der Gesang der Odai ist ähnlich gelagert wie seine Erzählung im Story Center 2007, besticht aber vor allem durch ein farbiges Setting. Die Pointe hingegen hätte es nicht unbedingt gebraucht.
Platz 3 schließlich ist Salina P. Thomas’ Geschichte Der Botschafter, eine etwas naive Parabel über den Platz, den jeder Heranwachsende im Leben finden muss. Auch diese Story ist aber schön erzählt und unterhält in der kurzen Form.

In der neuen Rubrik „Aufgestöbert“ bringt Earth Rocks! eine Kurzgeschichte von Helfried Kammerhuber, Watashi No Karewa Pailotto. Schon einige Jahre auf dem Buckel, bezeichnete Uwe Post (eben jener!) sie einmal als „SF des 21. Jahrhunderts“, und meinte damit eine Idee, die nicht ein Thema der vergangenen 200 Jahre wiederkäut. Recht hat er, kommt die Geschichte doch kurz & knackig auf den Punkt, und ist damit definitiv die Ausgrabung wert.

Thomas Templ setzt seine Reihe How to create a Universe, diesmal zur Kultur der Schöpfung, wie üblich charmant, aber auch etwas unbeholfen und unstrukturiert fort. Als Inspirationsquelle für den Einsteiger in die Thematik ist das sicher nicht verkehrt.

Zwei Interviews beschließen das Heft: Christian Bruhn weiß leider im Gegensatz zu früheren Interviews nicht viel Neues zu seinen Werken (und hier interessiert uns natürlich vorrangig „Captain Future“, weniger „Unser Bernhardiner ist ein Schlawiner“) zu berichten – wie auch, ist in den zahlreichen Berichten über die Jahre doch schon das meiste gesagt. Immerhin gibt es noch manche Einsicht zum neueren Musikbetrieb aus Sicht eines Mannes, der die deutschsprachige „Soundtrack“-Landschaft wie sonst nur wenige geprägt hat.
Schließlich wird Kirstin Tanger noch zum Thema Filk-Music befragt. Das wiederum fand ich interessant, vielleicht, weil mich das Gebiet wirklich (bisher) nicht die Bohne interessiert hatte und ich daher nichts darüber wusste.

Insgesamt ist sichtbar, dass sich Earth Rocks! zu einer echten Institution entwickelt. Die Qualität der Beiträge ist nicht immer höchstes Niveau, aber das macht ja eigentlich den Charme eines Fanzines aus. Dafür entschädigt die wirklich sehr bunte, oft außergewöhnliche Themenauswahl und nicht zuletzt – und das will ich hervorheben – das außergewöhnlich gelungene Layout. Obwohl verspielt, wirkt das Heft nicht aufdringlich oder amateurhaft, sondern lässt hier viele, etabliertere Hefte hinter sich.

Insgesamt viel Kurzweil für einen günstigen Preis.

Der Deutsche Phantastik-Preis

Inzwischen sind auch die Nominierungen zum Deutschen Phantastik-Preis, dem „Dritten im Bunde“ der bedeutenderen Auszeichnungen bekannt. Und siehe da: Die hervorragende Anthologie „Tabula rasa“ ist in der Sparte „Beste Anthologie/Kurzgeschichtensammlung“ nominiert. Ich sollte erwähnen, dass ich in dieser Sammlung dabei bin mit meiner Geschichte „20 Zeilen Code“, auch wenn das nun sicher nicht der Grund für die Nominierung sein dürfte.

Denkt daran: Der DPP ist ein Publikumspreis. Sobald also das Abstimmungsformular online ist – und das sollte bis Ende des Monats der Fall sein – unbedingt abstimmen. Wie immer gilt: Wer nicht wählt, wählt die falschen.

Erdrocker

Earth Rocks Nr. 1Bisher hätte ich mir unter „Erdrock“ so etwas wie Kyuss vorgestellt, oder vielleicht Monster Magnet, obwohl die ja eher über Space singen. Aber nein, gemeint ist etwas ganz anderes: Earth Rocks ist ein neuer Verein zur Förderung der Phantastik in (und um) Österreich. Und weil die jungen Damen und Herren keine halben Sachen machen, gibt es gleich ein hauseigenes Fanzine dazu.

Für die Nummer 1 dieses Magazins hatte ich nun die Ehre, einen Sachbeitrag beizusteuern. Kauft euch also dieses wirklich schöne Heft und lest meinen Aufsatz: „Wissenschaft und Phantastik – die Möglichkeiten sind phantastisch“. Dazu gibt es noch mehr Sachartikel, zum Beispiel von Nina Horvath, und schöne Kurzgeschichten, unter anderem eine meiner Lieblingsgeschichten der letzten Monate, Florian Stummers „Willkommen“ – allein dafür lohnt sich das Heft.