Markt

Im englischsprachigen Raum gibt es für Autoren einige hervorragende Listen und Datenbanken, in denen der Veröffentlichungswillige nach Möglichkeiten suchen kann, seine Elaborate unterzubringen. Legendär ist Ralan.com, umfassend und praktisch dagegen Duotrope.

Mir schwebte vor einiger Zeit ein ähnliches Projekt für den deutschsprachigen Bereich vor. Allerdings scheiterte das aus Zeitmangel; klar, nutze ich meine Freizeit doch lieber, um zu Schreiben, als um das Geschriebene zu verwalten. Aber das ist auch halb so schlimm, denn der deutsche „Markt“ ist weder so groß, noch so dynamisch wie sein Anglospiegelbild. Daher nun, ganz in Ralans Tradition, eine schlichte Linkliste.

(Natürlich garantiere ich für überhaupt nichts, schon gar nicht für Aktualität oder die Verwendbarkeit zu irgendeinem Zweck. Ich stehe zu den verlinkten Seiten in keiner Beziehung, und wenn doch, dann würde ich es nicht verraten.)

Grundsätzlich gilt natürlich die alte Autorenweisheit, sich zunächst eine Ausgabe des angepeilten Magazins zu bestellen, um sich ein Bild von den gewünschten Geschichten zu machen. Es ergibt wenig Sinn, einem Magazin wie – sagen wir – Arcana, das eher klassische Phantastik im Stile Poes wählen würde, eine Cyberpunk-Story anzubieten, oder auch sich an die c’t mit einer epischen Sword&Sorcery zu wenden. Zur groben Orientierung habe ich die Kürzel [SF] für Science-Fiction, [F] für Fantasy, [H] für Horror und [Ph] für die restliche Phantastik, also alles von Weird Fiction über Slipstream bis zum magischen Realismus angefügt. Kursiv gesetzte Titel bezeichnen Online-Publikationen. Wie gesagt, im Zweifel eher mal eine Ausgabe anlesen!

Die Liste gibt es auf einer eigenen Seite.

Earth Rocks! 5

Heft Nummer 5 des ambitionierten Magazins „Earth Rocks!“ steht unter dem Motto „Fremde Klänge“ – und gemeint sind damit die Querverbindungen zwischen Klang, Musik und Phantastik.

Los geht es allerdings erstmal mit den (seit einigen Heften schon laufenden) Serienartikeln: Zunächst Austro Mars, die recht informative Reihe über die Aktivitäten des Österrecihischen Weltraumforums. Der aktuelle Beitrag, Nummer 3 von 6, gerät dabei etwas trocken als Faktenaufzählung. Dies ist vielleicht dem diesmal reduzierten Umfang geschuldet.

Als nächstes setzt Friedhelm Schneidewind seine faszinierende Serie über Mythen und Religionen in der Phantastik fort. Ich denke, allein dieser Artikel lohnt die Anschaffung des Heftes, sofern man sich für den Themenkomplex auch nur am Rande interessiert. Schneidewind ist ein ausgewiesener Experte, schreibt aber dabei recht unterhaltsam.

Im Interview wird diesmal Uwe Post interviewt, der einige Informationen über seinen (noch) aktuellen Roman „Zweiland“ herausrückt und nützliche Tipps gibt, wie man als Jungautor schnell von 0 auf 100 beschleunigt. Für Fans und Postkomplettisten unverzichtbar, aber auch sonst nicht uninteressant.

Das Heftthema beginnt mit den drei platzierten Geschichten aus dem Wettbewerb. Platz 1 belegt Lydia Gschosmann[ mit einer zwar recht eloquenten, aber dennoch etwas "kanonischen" Fantasygeschichte. Melodie der Heimat erzählt im Stil vergangener Jahrhunderte die Lebensgeschichte einer Quellnymphe – fließend zu lesen, aber auch etwas zu vertraut, um wirklich mitzureißen.
Auf Platz 2 folgt Bernhard Weißbecker mit einer für ihn recht typischen Thematik über den Menschen als Eindringling in fremden Kulturen und Ökosystemen. Der Gesang der Odai ist ähnlich gelagert wie seine Erzählung im Story Center 2007, besticht aber vor allem durch ein farbiges Setting. Die Pointe hingegen hätte es nicht unbedingt gebraucht.
Platz 3 schließlich ist Salina P. Thomas’ Geschichte Der Botschafter, eine etwas naive Parabel über den Platz, den jeder Heranwachsende im Leben finden muss. Auch diese Story ist aber schön erzählt und unterhält in der kurzen Form.

In der neuen Rubrik „Aufgestöbert“ bringt Earth Rocks! eine Kurzgeschichte von Helfried Kammerhuber, Watashi No Karewa Pailotto. Schon einige Jahre auf dem Buckel, bezeichnete Uwe Post (eben jener!) sie einmal als „SF des 21. Jahrhunderts“, und meinte damit eine Idee, die nicht ein Thema der vergangenen 200 Jahre wiederkäut. Recht hat er, kommt die Geschichte doch kurz & knackig auf den Punkt, und ist damit definitiv die Ausgrabung wert.

Thomas Templ setzt seine Reihe How to create a Universe, diesmal zur Kultur der Schöpfung, wie üblich charmant, aber auch etwas unbeholfen und unstrukturiert fort. Als Inspirationsquelle für den Einsteiger in die Thematik ist das sicher nicht verkehrt.

Zwei Interviews beschließen das Heft: Christian Bruhn weiß leider im Gegensatz zu früheren Interviews nicht viel Neues zu seinen Werken (und hier interessiert uns natürlich vorrangig „Captain Future“, weniger „Unser Bernhardiner ist ein Schlawiner“) zu berichten – wie auch, ist in den zahlreichen Berichten über die Jahre doch schon das meiste gesagt. Immerhin gibt es noch manche Einsicht zum neueren Musikbetrieb aus Sicht eines Mannes, der die deutschsprachige „Soundtrack“-Landschaft wie sonst nur wenige geprägt hat.
Schließlich wird Kirstin Tanger noch zum Thema Filk-Music befragt. Das wiederum fand ich interessant, vielleicht, weil mich das Gebiet wirklich (bisher) nicht die Bohne interessiert hatte und ich daher nichts darüber wusste.

Insgesamt ist sichtbar, dass sich Earth Rocks! zu einer echten Institution entwickelt. Die Qualität der Beiträge ist nicht immer höchstes Niveau, aber das macht ja eigentlich den Charme eines Fanzines aus. Dafür entschädigt die wirklich sehr bunte, oft außergewöhnliche Themenauswahl und nicht zuletzt – und das will ich hervorheben – das außergewöhnlich gelungene Layout. Obwohl verspielt, wirkt das Heft nicht aufdringlich oder amateurhaft, sondern lässt hier viele, etabliertere Hefte hinter sich.

Insgesamt viel Kurzweil für einen günstigen Preis.

Vorlesen

In letzter Sekunde noch eine Info für kommendes Wochenende: Am 12. April werde ich in Düsseldorf im „finnischen Wohnzimmer“ Olohuone eine Geschichte vorlesen. Und da das Ganze eine Veranstaltung der Asphaltspuren ist, gibt es von mir eine meiner raren nicht-phantastischen Geschichten auf die Ohren. Also keine Raumschiffe, Nanobots, Hirnimplantate, Mutanten, nicht mal Schwerter, Gestaltwandler oder Krokodilmenschen – nur ein paar Leute wie du und ich und höchstens mal ein paar doch sehr unwahrscheinliche Zufälle.

Im SF-Netzwerk haben sich schon ein paar prominente Gestalten angekündigt. Ich jedenfalls freue mich, neue und alte Bekannte zu treffen, und hoffe auf ein wohlwollendes Publikum.