Zwei Welten und industrialisierte Elfen

Was wäre, wenn es mehr als eine Welt gäbe? Und wenn man sich für eine entscheiden könnte? Würde man die „bessere“ wählen? Auf welcher Basis? Was heißt denn „besser“?

Eigentlich haben wir fast immer die Wahl. Jeder macht sich mal Gedanken, was denn in seinem Leben besser laufen könnte, aber – wenn wir ehrlich sind – haben wir es selbst in der Hand, unser Leben zu verbessern, sei es auch nur ein wenig. Man muss sich nur entscheiden.

Darum geht es in meiner Geschichte „Filtersyndrom“, gerade als Zweiteiler erschienen in den Ausgaben 26/11 und 01/12 in der Computerzeitschrift c’t.

Eine Weihnachtsüberraschung für mich: Die neueste Ausgabe #45 der phantastisch! – eigentlich die Januarausgabe – ist bereits an die Besteller ausgeliefert. Darin zu lesen gibt es unter anderem meine Elfpunk-Geschichte „Rache ist eine schwere Schaufel“. Elfpunk? Das ist so ein Subgenre, das sich mal aus Michael Swanwicks Roman „The Iron Dragon’s Daughter“ entwickelt hat. Justina Robson schreibt so etwas auch ab und zu. Jetzt eben auch ich – wobei in derselben Welt schon vor Jahren mal eine Geschichte von mir spielte, nämlich „Fließe, mein Herz“. Es geht um eine unglückliche Liebe zu einer Bäckereifachverkäuferin, um eine alte Schuld und um ein besser vergessenes Talent.

Linkdump & Spam leeren

Seit gefühlten 1000 Jahren blogge ich mal wieder und was erwartet mich im Briefkasten? Nur Spam.

Klar heutzutage sind die Kids alle bei Facebook. Mann, bin ich alt!

Wollte auch nur kurz durchgeben, dass meine Geschichte „300 PS intravenös“ in Harald Giersches hübscher Anthologie „Prototypen“ (bei Begedia) erschienen ist. Ja, ich weiß. Jeder, den das interessiert, weiß das eh schon von Google+.

Außerdem ist ein netter, kleienr Sachartikel über Würfelmechanik in der Spielezeitschrift SpielXpress #29 erschienen. So! Das wusstet ihr noch nicht, wetten?

Wuff!

Ich sollte wohl mal erwähnen, dass inzwischen eine neue Kurzgeschichte von mir erschienen ist: Nanne kommt auf den Hund. Das ganze ist eine hinreißend romantische Geschichte für alle Fans von „Desparate Housewifes“, „Zotti das Urvieh“ und „Microslaves“. Behaupte ich einfach mal frech.

Käuflich erwerben kann man das Buch beim Wurdack-Verlag oder beim jeweiligen Buchhändler des Vertrauens, zur Not auf Bestellung. Und das sollte man auch tun, es sind nämlich noch mehr gute Geschichten enthalten, wie hier und hier belegt wird.

4 gewinnt

Die Wahl ist ausgezählt. Diesjährige Gewinner des Kurd-Laßwitz-Preises sind Uwe Post für seinen lustigen Detektivroman „Walpar Tonraffir und der Zeigefinger Gottes“ und Michael Iwoleit für sein Near-Future-Drama „Die Schwelle“.

Herzlichen Glückwunsch, Jungs!

Meine Mathematiksatire „Die verhinderte Himmelfahrt der Jana Maria-Magdalena Sibelius“ erreichte immerhin Platz 4 – für mich die bisher beste Platzierung beim KLP.

Herzlichen Glückwunsch mir selbst!

Untoter Wiedergänger

Manchmal kommen sie wieder … die Geschichten, die schon mal veröffentlicht wurden. Vor ein paar Jahren gab Alisha Bionda eine abwechslungsreiche Anthologie neuer SF heraus. Wenig später ging der Verlag, bei dem das Buch damals erschien, ein.

Nun ist diese Geschichtensammlung wieder erhältlich. Ergänzt um ein neues Titelbild und ein paar neue Geschichten (die Rechte einiger anderer waren wohl nicht mehr erhältlich), bringt Michael Haitels p.machinery Verlag jetzt „Der perfekte Friede“. Enthalten von mir ist „Upload untot“, mein Piraten-Zombie-KI-Welt-am-Draht-Crossover. Und hier noch der Teaser:

Nach dem Abzug der Minengesellschaft leben die Nachfahren der Arbeiter mehr schlecht als recht auf einem ehemaligen Kolonieplaneten. Cortez beschließt, seine Schwester aus den Fängen ihres nichtsnutzigen Freundes Pedro zu befreien. Aber hält der sie tatsächlich gefangen? Ist sie am Ende von den untoten Zomba entführt worden? Und welchen Zweck hat eigentlich jenes seltsame elektronische Gerät, das ihm der Barmann aufgeschwatzt hat?

Beim Thema Aufmerksamkeit

… fällt mir auf, dass dieses Blog seit einiger Zeit eine Menge davon bekommt. Allerdings hauptsächlich von den Kokosinseln.

Kommt, Leute! Ich bevorzuge meine Kokosraspel in Schokolade, und auf euren Referrer-Spam klicke ich garantiert nicht.

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Deutsche Autoren können Science Fiction

Hat Herr P. jetzt die Fähigkeit eingebüßt, einen geraden, deutschen Satz herauszubringen?, mag man sich angesichts der Überschrift wohl fragen.

Nein, liebe Gemeinde, das ist ein Zitat, und zwar vom neuen Portal für deutschsprachige SF, sinnvollerweise als „Deutsche Science Fiction“ betitelt. Aus der Taufe gehoben haben das Ding Uwe Post – Satiro-Fiction-Autor und Schöpfer von Walpar Tonraffir – und Sven Klöpping – bekannt für seine sprachlich kontroversen „Mega-Fusion“-Geschichten.

Schöne Sache. Fehlen nur noch ein paar Inhalte, aber das wird schon.

Aufmerksamkeit

Was will der Autor? Aufmerksamkeit. Denn warum sollte er sonst schreiben?

Ich zum Beispiel habe letzte Woche völlig unabhängig voneinander die Aufmerksamkeit zweier Verlage für zwei völlig unterschiedliche Projekte bekommen. Was daraus wird, steht – in den Sternen sicher nicht. Aber schön ist das trotzdem, auch wenn vielleicht letztlich nichts daraus wird.

Dann gab es die Aufmerksamkeit des Publikums bei meiner Lesung in der Stötteritzer Margerite in Leipzig mit dem klingenden Namen „L.E. Dystopia“. Uwe Schimunek organisierte und diverse Kollegen berichteten bereits zeitnaher als ich Töffel mal wieder.

Drittens bekam ich die Aufmerksamkeit einiger Kollegen, ausgedrückt durch die Nominierung meiner Kurzgeschichte „Die verhinderte Himmelfahrt der Jana Marai Magdalena Sibelius“ zum Kurd-Laßwitz-Preis 2011. Übrigens ist das genau die Geschichte, die ich auch in Leipzig gelesen habe. Und mit dem einen der zwei geheimen Projekte hat sie auch zu tun. So schließt sich der Kreis, oder besser nicht, denn es soll ja weitergehen.

In Argentinien …

… in Argentinien … tja. Eigentlich weiß ich gar nichts über Argentinien, außer, dass sie dort spanisch sprechen. Und dass auch dort Science Fiction und Phantastik verfasst wird. Einer der bekanntesten – wenn nicht der bekannteste – argentinische SF-Autor ist Sergio Gaut vel Hartman. Zahlreiche seiner Geschichten erschienen in Magazinen und Blogs quer über den Globus. Unter anderem ist er Mitherausgeber eines phantastischen Blog namens „Breves no tan breves“, und eben dort erscheint dieser Tage eine meiner Geschichten: „Essbar“, bloß eben in spanisch: „Comestible“.

„Wie das?“, fragt der geneigte Leser, „Hat der Peinecke auf seine alten Tage schnell Spanisch gelernt?“ – Mitnichten. Die Übersetzung erledigte jemand, der das auch richtig kann, nämlich Regina Sedelke (die auch hervorragend deutsch spricht, natürlich). Der Kontakt kam über InterNova zustande. Für diese Dinge liebe ich das Netz.

Gelesen: Die Audienz

Der Wurdack-Verlag gibt mit beeindruckender Frequenz hochwertige SF-Anthologien heraus. Das begann vor Jahren mit „Deus Ex Machina“, seit „Tabula Rasa“ war auch ich dann regelmäßig mit einer Geschichte vertreten. Meine zuletzt für den DSFP nominierte Kurzgeschichte „Klick, klick, Kaleidoskop“ erschien in „Molekularmusik“.

Der letzte Band nun – „Die Audienz“ – musste ohne mich auskommen. Zu lang, zu wenig auf den Punkt war meine Geschichte wohl, vermute ich. Ein Grund mehr für mich, einmal kritisch in den resultierenden Band reinzulesen.

Hatte ich vielleicht mit einer Enttäuschung gerechnet, so nach dem Motto „Warum denn die und ich nicht?“, so muss ich neidlos zugeben, dass das Buch rundum gelungen ist. Ich behaupte sogar, dass es unter den bisherigen Bänden der beste ist.

Den Anfang macht Frank W. Haubold mit „Die Audienz“. Ich bin sowieso ein Fan von Franks Stil, aber ich muss zugeben, dass ich manche seiner Geschichten etwas brav finde. Am besten ist er immer, wenn es um Mythen geht, wenn der Hauch einer Legende im Hintergrund weht. Und genau das bietet diese Geschichte. Dabei ist sie reine, klassische SF, komplett mit geheimnisvollen Außerirdischen und Generationenraumschiff. Ganz toll, Highlight Nummer 1!

Es folgt Bruna Phlox mit „Hör auf die Wahrsagerin, Nishka!“, eine Geschichte, die den letzten Cyberpunk-Autorenwettbewerb gewonnen hat. Zurecht, denn Bruna spielt mit montierten Einsprengseln, erzählt wild drauflos und fängt so das fragmentierte Lebensgefühl einer Online-Welt ein. Lohnend.

Bernhard Schneider hat in meinen Augen in den letzten Jahren eine kleine Entwicklung durchgemacht. Seine Texte lesen sich für mich zunehmend erwachsener, klebte er zu Beginn oft an stereotypen Charakteren mit englischen Namen, so finde ich seine neueren Geschichten reifer, zurückhaltender. „Sarah“ ist – obwohl von der Idee oft dagewesen – doch eine perfekt durchkomponierte Miniatur, die gar nicht so sehr SF ist, sich vielleicht auch in vielen Krimi-Anthologien gut gemacht hätte.

„Ein Schiff wird kommen“ von Regina Schleheck ist stellenweise witzig und hat – das kann die Autorin – eine lebensnahe Protagonistin. Auch der Wendepunkt am Schluss ist gut gesetzt, lediglich endet die Story im Nichts. Da habe ich beim Lesen eine größere Erwartung aufgebaut und war daher etwas enttäuscht.

„Ausgespielt“ von Christian Weis fügt seiner Kovac-Serie eine weitere Folge hinzu. Für Komplettisten sicher interessant, ich fand’s aber – bei aller Perfektion in der Erzählung – etwas langweilig.

Nadine Boos erzählt in „Finja-Danielas Totenwache“ von einer ungewöhnlichen Begräbnisfeierlichkeit, obwohl die Hauptperson noch gar nicht tot ist und eigentlich auch gar nicht beabsichtigt, schon abzutreten. Die ganze Situation hat mich sehr an Wolfgang Jeschkes preisgekrönte Erzählung „Nekyomanteion“ erinnert. Das ist kein schlechtes Zeichen, denn das ist eine meiner all-time Lieblingsgeschichten. Nadine schafft hier einen ganzen Strauß eindrucksvoller Charaktere, die herrlich aufeinander einhacken. Für mich Highlight Nummer 2.

„Christian Günther“ erzählt in „Der geborgte Himmel“ vom Scheitern der Mars-Kolonien und der Rückkehr zur Erde. Ein klassisches Setting mit einem gelungenen Spannungsbogen und einem passenden Ende. Wahrhaft gute Unterhaltung.

Karla Schmidts „Lebenslichter“ führt uns in eine nahe Zukunft, die sich auch ein wenig nach den frühen 80er Jahren anfühlt, denn das ganze ist eine Mischung aus den Dystopien der Ökobewegung und moderneren Technikeinsprengseln. Das liest sich sehr gut, hat mich aber leider weniger beindruckt als ich gehofft hatte.

„Phönix“ von Armin Rößler präsentiert eine Ferienkolonie auf einem Urwaldplaneten, die sich nur durch Dauereinsatz von Löschflugzeugen vor den dauernden Waldbränden retten kann. Auch hier ist gute Unterhaltung garantiert. Allerdings gebe ich Abzüge in der B-Note, denn plausibel fand ich die Motivation der Terroristen nicht, mir war auch am Schluss noch unklar, was das überhaupt bezwecken sollte. Gut war aber die Charakterzeichnung des Protagonisten.

„Der erste Roboter“ von Arnold H. Bucher liest sich wie eine Mischung aus Asimovs Robotergeschichten und einer Persiflage auf George W. Bushs Amtszeit. Das fand ich ziemlich öde, war aber auch – der Idee angemessen – angenehm kurz gehalten.

„Lod, Lad, Chine“ von Andreas Flögel folgt darauf sofort als „Asimov II“, diesmal eine Abwandlung von „The Robots of Dawn“ des Altmeisters. Das wiederum war okay, wenn ich auch zugeben muss, dass man, wenn man fast alles von Asimov gelsen hat, nicht noch mehr Asimov braucht.

Kai Riedemanns „Ich töte dich nach meinem Tod“ könnte fast eine Tatort-Folge sein – aus dem Jahr 2020. Ich bin nun kein großer Freund von SF-Krimis, aber das hier war knackig, kurz und mit überraschender Wendung am Schluss.

Wo wir gerade bei Asimov waren: Heidrun Jänchens „Kamele, Kuckucksuhren und Bienen“ erinnert an einen anderen Altmeister, nämlich an Lem. Jänchens Geschichte ist für mich einfach perfekt, es gilt ein Geheimnis zu entdecken, es gibt eine Pointe und dann noch eine zweite Pointe! Highlight Nummer 3.

Und weiter geht es mit Highlicht Nummer 4: Jakob Schmidts „Auslese“. Heutzutage versteht man unter „Urban Fantasy“ ja so komische Blutsauger-in-der-Disco-Geschichten. Dabei ist das, was Jakob schreibt für mich die bessere, weil wirklich „urbane“ – ja nicht Fantasy – sondern hier SF. Die darin steckenden Ideen sind einfach so toll, dass ich ganz neidisch werde (ha! doch noch Neid!). Sollte ich hier einen Klassikervergleich wagen, so würde ich mal wieder John Shirley anführen, der diese Mischungaus abgedrehten kosmologischen Theorien und Satire auf Konsumverhalten und Kommerzialisierung auch mal so gut draufhatte. Als älteres Vorbild (nur inhaltlich) steht natürlich Lovecraft dahinter, denn die Fleischengel sind ja nichts anderes als das kalte, rechnende Universum, dem der Mensch nur ein Zahnrad – oder eben ein Speicherchip – ist.

Andrea Tillmanns „Hitze“ ist ein gut geschriebener … Romananfang. Denn wenn es eigentlich losgeht endet die Geschichte. Schade eigentlich. Außerdem fand ich nicht alles inhaltlich plausibel, aber das ist ja bei wirtschaftsapokalyptischen Storys eigentlich immer Ansichtssache.

Das Ende macht Karsten Kruschel mit „Ende der Jagdsaison auf Orange“. Aucb hier ein paar Vergleiche aus der Mottenkiste meines Hirns: „Der Preis“ von William Voltz, natürlich „Midworld“ von Allan Dean Foster. Die Idee einer sich rapide genetisch adaptierenden Biosphäre ist toll, da steckt eine Menge Potential drin. (Nebenbemerkung: Ich denke, ein solcher Mechanismus könnte die Entstehung von Intelligenz verhindern, denn er ersetzt ja effektiv die Adaptionsfähigkeit die sonst ein sozialer oder intelligenter Organismus bringen würde.) Negativ fiel mir nur das Japan-Thema des „bösen“ Konzerns auf – ist die Geschichte evtl. schon in den 80ern geschrieben worden? Trotzdem ein toller Abschluss, für mich Highlight Nummer 5.

Hey, fünf Highlights in 16 Geschichten und kein Totalausfall. Wie gesagt, für mich ist „Die Audienz“ der bisher gelungenste Band der Reihe – ich gehe jetzt eine Runde heulen, dass ich nicht dabei war.

Frohes neues Jahr wünscht

Niklas

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