Über Marsreisen und Sub-Sub-Genres

… darf ich mich in der neuen Earth Rocks verbreiten. Chefredakteur und Vereinsgründer Florian Stummer war so nett mich als Ehrenmitglied von Earth Rocks zu interviewen. (Ich! Im Interview!) Bei der Gelegenheit durfte ich also über die Funktion des Genres (und deren Sub- und Subsubgenres) philosophieren. Ich bin da ja durchaus zwiegespalten: Einerseits bekenne ich mich zur Science-Fiction, ist sie mir doch die liebste Spielart der Literatur. Andererseits sind es meist gerade die Grenzgänger, die Irrläufer und Überläufer, die Nomaden im Genrewald, die besonders spannend sind. China Mieville fällt mir ein, oder in Deutschland Volker Groß.

Wie auch immer, wer sich für meine Ansichten zu Sinn und Widersinn von Minigenres wie Clockpunk interessiert, dem sei “ER 9″ ans Herz gelegt. Wer jeoch neugierig ist, wie der aktuelle Kurzgeschichtenwettbewerb zum Thema “Home, Sweet Home” (mit mir als Gastjuror) ausgegangen ist, kommt an der Ausgabe sowieso nicht vorbei. Und wer ein paar außerordentlich ansprechende SF-Grafiken im Vierfarbdruck in der Heftmitte schätzt muss sich das Heft sowieso zulegen. Wer aber seine Phantastik lieber akustisch als Hörbuch präsentiert haben will, sollte einen Kauf auch erwägen: Als Bonus ist eine CD mit unter anderem “Krematorium”, dem aktuellen Output von Frank Hebben, gelesen von Free-Hörspiel-König Sven Matthias dabei.

Mir würden sicher noch mehr Gründe einfallen, aber ich will ja keine Werbung machen.

Es gibt noch Fanzines

Im Zeitalter von Print on Demand, dem Internetz und Podcasts hält sich kaum noch jemand mit der Herausgabe eines schnöden Fanzines auf Papier auf. Man kann ja auch gleich eine Anthologie bei einem PoD-Anbieter herausbringen, oder besser noch – weil völlig kostenneutral – das ganze übers Netz regeln.

Andererseits ist die gedruckte Form meiner Meinung nach die optimale für eine Geschichte. Hörbücher haben ihre Fans und ihre Vorzüge, aber ich finde, es gibt kaum etwas entspannenderes als selbst zu lesen. Tempo und Wiederholungen, alles kann ich selbst bestimmen.

Das Fanzine XUN ist eines der wenigen überlebenden. Entsprechend groß ist der Geschichtenpool, den die freie Redaktion XUN mittlerweile angesammelt hat. Daher war ich selbst einigermaßen überrascht, in Ausgabe 21 meine Fantasy-Harry-Potter-Abrechnung “Das letzte Duell” vorzufinden – konnte ich mich zunächst doch gar nicht mehr erinnern, sie überhaupt eingeschickt zu haben. (Natürlich führe ich genau zu diesem Zweck eine Liste, in der alle Einsendungen vermerkt werden.) XUN ist ein wirklich traditionelles Fanzine. Hier wird das Logo noch mit Filzstift ausgemalt, auch wenn inzwischen am PC gelayoutet wird, statt mit Schere und Klebstoff.

Ebenfalls in dieser Ausgabe vertreten sind Frank Hebben mit einer lustigen Robotergeschichte (willkommene Ablenkung von seiner intensiven aber auch etwas ekligen Body-Horror-SF), solide Kost etwa von Christel Scheja oder Christiane Gref, und Sami Salame, junge SF-Hoffnung, hier aber mit seiner psychopathologischen Nahaufnahme “Ente und Onkel”. Sam pflegt einen ganz seltsamen Stil einer traumartigen, dennoch von innerer Logik bestimmten Erzählweise, die ich ziemlich lohnend finde.

Bei der Gelegenheit: Im SF-Netzwerk entzündet sich mal wieder eine Diskussion über den angeblichen Nicht-Unterhaltungswert von “literarisch anspruchsvoller Phantastik”. Gemeint ist hier eine Erzählweise, die sich von der herkömmlichen linearen, monoperspektivischen, dritte-person Arztroman-Erzählung unterscheidet, die in der Phantastik immer noch dominiert. Es ist nicht so, dass ich auch diese traditionellere Erzählweise nicht schätze. Jeder alternativen Form aber den Unterhaltungswert abzusprechen ist einfach nur dumm. Willkürliches Beispiel: Andreas Eschbachs in meinen Augen bestes Buch ist immer noch “Die Haarteppichknüpfer”, eben weil er hier von der “Normalform” abgewichen ist und eine Collage von Kurzgeschichten gewählt hat. Aktuell wird Daniel Kehlmann für genau diesen Kunstgriff in “Ruhm” über den grünen Klee gelobt. Soll er ruhig, aber Eschbach konnte das schon vor mehr als zehn Jahren, und erfunden hat er diese Romanform auch nicht.

Ich komm schon wieder vom hundersten ins tausendste. Zusammenfassend: Schaut euch XUN mal an, und wenn ihr mutig seid, lest GOLEM. Da gibt’s die richtig coolen Sachen zu lesen.

Ich fordere bessere Titel!

Bei SF-Fan ist zur Zeit – mal wieder – die seltsame Übersetzungspolitik deutscher Großverlage Thema. Besonders zu leiden haben wie immer Terry Pratchetts Werke. Wir erinnern uns: Da wurde aus dem Titel “Reaper Man” schon mal “Alles Sense!” oder “Wyred Sisters” wurde zum sinnbefreiten “MacBest”. An mehr Beispiele kann ich mich zum Glück im Moment nicht erinnern, aber man konsultiere ein beliebiges Fantasy-Verkaufsregal für weitere Horrortitel.

Warum betrifft dieser Lektoratsschwachsinn aber meist die “niederen” Genres? Warum müssen Krimi-, Fantasy-, Horror- und SF-Fans derart verunstaltete Titel hinnehmen? Gleiches Recht für alle! Wir benennen Klassiker der Literatur um:

“Der alte Mann und das Meer” wird zu “Boat Trip – ein irrer Angelausflug”.

“Warten auf Godot” verkauft sich bestimmt besser als “Zwei Männer und ein Baum”.

“Unterm Rad”? Lieber als “Teenager am Limit”! Und “Das Glasperlenspiel” wäre als “Pearl Games” sicher der Renner.

“Faust” ist okay, könnte aber einen Untertitel gebrauchen: “Faust – krasse Höllenfahrt”.

“Emilia Galotti” wird zu “Voll schwanger!”

“Romeo und Julia”: “Venecia Gangwars”

“Der Idiot” liefe bestimmt besser als “Generation Idiot”.

Irgendwie grusel ich mich gerade vor den Neuerscheinungen der nächsten Jahre …

Blah! folded

… wie die Engländer so schön sagen würden. Gemeint ist damit, dass Andrea Bottlingers bisher äußerst ambitioniertes Blah!-Magazin leider aufgrund akuten Erfolgs und damit einhergehender Arbeitsbelastung eingestellt wird. Ich weiß, die “Neuigkeit” ist schon vom Februar, aber ich wollte es mal erwähnt haben.

Schade eigentlich.

Wie ich höre, läuft der gleichnamige Podcast aber weiter.

Hör mal! Kohlendioxid!

So oder so ähnlich könnte sich jemand äußern, der Molekularmusik hört. Aber, fragt ihr euch, bin ich denn noch zu retten? Seit Wochen ist die gleichnamige Anthologie aus der legendären SF-Serie des Wurdack-Verlags bereits lieferbar, ich habe das Werk sogar fast durchgelesen, und ich lasse euch nicht daran teilhaben?

Recht habt ihr. Fühlt euch also informiert: Meine Capco.de 08 Gewinnergeschichte “Klick, klick, Kaleidoskop” ist im Band enthalten, außerdem Kilobytes weiterer grandioser Werke ambitionierter Autoren aller Art.

Postapokalypse Möbelhaus

Mein Nach-dem-großen-Knall-Eskimo-Möbelhaus-Culture-Clash “Asche auf dem Schnee” wurde kürzlich vom äußerst aktiven Sven Matthias verlesen und zum Hörbuch “Glaswelten” dazuproduziert. Wow! Und ein Cover gibt es auch dazu. Und weitere Geschichten, unter anderem vom DSFP-nominierten Uwe Post, Kurzgeschichten.de-Shootingstar Frederic Brake und Kurzgeschichten.de-Urgestein Quinn.
Jaha, fragt ihr euch, was kostet denn das edle Hörbuch?
Nix! Gratis!
Also los, laden kann man’s auf soforthoeren.de.

Nova 14

Schon eine Weile verfügbar ist die vierzehnte Ausgabe von Ronald M. Hahns, Michael Iwoleits und Frank Hebbens bahnwalzendem Magazin Nova. Ich muss das erwähnen, da – ihr ahnt es schon – sich darin eine Geschichte von mir befindet. In diesem Fall ist es “2-Raum-Wohnung”, und sie ist insofern bemerkenswert, weil sie in Zusammenarbeit und nach einer Idee meines geschätzten Kollegen Ralf Noetzel entstand. Das Ding zu schreiben hat einen irren Spaß gemacht, und ich glaube, ein wenig kann man das auch herauslesen. Derweil trudeln schon ein paar durchaus kontroverse Ansichten dazu ein. Übrigens ist die Story nicht Ralfs erste Veröffentlichung: Sein “Die Goliath SX Sache” stellt meiner Meinung nach einen Höhepunkt der kürzlich erschienenen Anthologie “Darwins Schildkröte” dar. Das sage ich mal so, obwohl ich mit der Entstehung dieser Geschichte absolut nix zu tun hatte. Außerdem ist Ralf kürzlich in Uwe Posts Abdrehmagazin “Golem” in Erscheinung getreten. Sein Werk dort heißt “Global Tinnitus” und ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

Toaster aus dem Weltraum

Es sollte nur ein Campingausflug werden. Doch keiner der Studenten ahnte, welches unaussprechliche Grauen sie an einem kleinen See nahe Bielefeld erwarten würde.

Wenn Mächte aus dem kalten Weltraum dich zu ihrem Ziel erklären, gibt es kein Entkommen!

Verpassen Sie nicht: Toaster aus dem Weltraum

Demnächst in diesem Kino – Quatsch – hier: Fabylon

Werde reich mit Kurzgeschichten!

Da verspricht die Überschrift sicher zu viel, denn zumindest in D-Land wird allein mit Kurzgeschichten keiner reich. Im Gegenteil: Unter den von mir unter Markt gelisteten Märkten sind nur zwei, die ein Honorar zahlen, nur einer, von dessen Honorar man leben könnte (wenn man pro Monat zwei Geschichten verkaufen würde, was natürlich angesichts der Konkurrenz unmöglich ist). Keiner der Online-Märkte zahlte bisher – bisher! Denn ab jetzt gibt es beim Blah!-Magazin nicht nur ein Lektorat, es wird auch ein Honorar gezahlt!

Oh ja, meine interessierten Leser, ein Honorar für eine Online-Publikation. Das ich das noch erleben darf. Okay, bisher ist es eher eine symbolische Zahlung. Aber, hey, das ist doch ein Anfang. Außerdem finde ich es toll, wie ambitioniert Blah! auftritt. Sollte ich je wieder eine Zeile schreiben, dann müsste ich endlich mal etwas einreichen.

Asphaltspuren auf dem Vulkan

Erneut war ich eingeladen, am Ruhrpott-Untergrundheft “Asphaltspuren” mitzuarbeiten. Das Thema der Ausgabe 9 ist “Das Netz” und ich musste mich, das gebe ich zu, etwas quälen, bis mir dazu etwas einfiel. Allerdings gibt es immer Ecken im Hirn eines Schreibers, die mit skurrilen Beobachtungen, Episoden und urbanen Legenden gefüllt sind. Daraus konnte ich hier schöpfen. Das Endergebnis heißt “Luftlinie” und handelt auf einer einsamen Atlantikinsel. Wir wissen ja: Wenn das Netz da ist, dann ist geographische Entfernung nicht so wichtig. Oder doch? Kann man sich aus dem Netz mal schnell eine Flasche Wasser bestellen, während man in der Mittagsglut auf einem Krater herumläuft?

Ach ja, es ist keine Science-Fiction!